Definition of term:: Antiquariat
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„Was kauft und verkauft der Buch- und Kunstantiquar? Theoretisch alle in seinen Aufgabenkreis fallenden Handelsgegenstände. Im Einzelnen: 1. Bücher, Noten, Autographen, Handschriften, alte Einbände, Miniaturen auf Pergament, Graphik und Zeichnungen; 2. nicht verlagsneue Exemplare, Bücher, die beim Verleger vergriffen sind, deren Ladenpreis aufgehoben ist oder den Umständen nach als aufgehoben gilt, und auch neue, aber abgeschlossene Zeitschriftenbände. Diese Aufzählung lässt sich noch erweitern. Alte Karten, Urkunden, Porträts, Wappen und Siegel, Exlibris, Gemälde, Sonderabdrucke aus Zeitschriften, Hochschulschriften, überhaupt Gegenstände außerhalb des Buchhandels, gelegentlich auch Schallplatten, besonders von musik- oder literaturgeschichtlichem Wert, gehören ebenfalls zum Wirkungsbereich des Antiquars ... Nur wenigen Antiquariatsfirmen ist es möglich, mit allen Arten und Gattungen der obengenannten Gegenstände Handel zu treiben. Eine natürliche Beschränkung ergibt sich durch die Höhe des zur Verfügung stehenden Kapitals. Den heutigen Antiquariatsbuchhandel kennzeichnen eine Reihe von Betriebsformen, die mit der Wahl bestimmter Gebiete zusammenhängen. 1. Das bibliophile Antiquariat. Es pflegt im wesentlichen das »schöne« Buch, d. h. buchgewerbliche Erzeugnisse in Form von Luxus- und Pressendrucken. Ferner gehören hierher die Erstausgaben nationaler Literaturen als Sammelgegenstand und auch das »alte« Buch, d. h. Wiegendrucke, mittelalterliche Handschriften, Holzschnittbücher u. a. Firmen, die sich diesen Gebieten besonders widmen, werden auch als Seltenheitsantiquariat angesprochen. 2. Das Kunstantiquariat. Es zeigt mit dem bibliophilen Antiquariat viel Verwandtschaft und ist oft mit diesem verbunden. Der Name sagt bereits, dass das Arbeitsfeld neben Kunstliteratur Kunstgegenstände, also Plastiken, Gemälde, Graphik u. a. umfasst und sich teilweise mit dem Antiquitätenhandel überschneidet. 3. Das wissenschaftliche Antiquariat. Es führt in allen Formen der Darstellung - vom kleinsten Zeitungsausschnitt bis zur Enzyklopädie - die Gebrauchsliteratur für die wissenschaftliche Forschung. Meist ist ihm ein wissenschaftliches Sortiment angegliedert. Besondere Formen von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind das Exportantiquariat und die Universitätsbuchhandlung. 4. Das Zeitschriftenantiquariat. Es kommt in selbstständiger Form vor, ist aber in der Regel Bestandteil des wissenschaftlichen Antiquariats und führt in der Hauptsache die periodische Literatur für die Gelehrtenarbeit. 5. Das moderne Antiquariat. Es ist oft mit einem normalen Sortimentsbetrieb verkoppelt und vertreibt »verramschte« Bücher. 6. Das Großantiquariat. Es ist eine Art Zwischenbuchhandel. Der Großantiquar übernimmt auf eigene feste Rechnung Restauflagen vom Verleger und verkauft sie in Einzelstücken an den vertreibenden Buchhandel. 7. Das Auktionshaus. Es übernimmt die Versteigerung von ganzen Sammlungen und Einzelstücken aus Nachlässen und dergl.“ (Bernhard Wendt, Der Antiquariatsbuchhandel)
Source: Bernhard Wendt, Der Antiquariatsbuchhandel. Eine Fachkunde für junge Antiquare. Dr. Ernst Hauswedell 1974
