Bibliographie-Preis
14. ILAB BIBLIOGRAPHIE-PREIS
Für die Verleihung des 14. ILAB Bibliographie-Preises hatten sich die Verantwortlichen einen würdigen Rahmen ausgesucht. Am 10. Juni 2006 verkündete das ILAB-Komitee während des „ABA Centenary Balls“ vor 200 Gästen in der Londoner Royal Geographical Society die Preisträger.
Es gebe eine Fülle von Preisen bis hin zu den Oscars, hieß es in der Laudatio, aber der ILAB Bibliographie-Preis, der schon seit fünfzig Jahren verliehen werde, sei etwas ganz Besonderes. Geehrt würden diejenigen in der Stille der Bibliotheken wirkenden Gelehrten, deren Werke für den Antiquariatsbuchhandel unerlässlich seien: Die Bibliographen helfen den Antiquaren, bessere Händler zu sein, indem sie ihnen die notwendigen Nachschlagewerke bereitstellen. Aus diesem Grund ist ihnen im Jahre 2006 der ILAB-Preis zum 14. Mal gewidmet.
Schwierig war es, aus den über hundert Vorschlägen nur einen Gewinner auszuwählen. So entschloss sich das ILAB-Komitee, das Preisgeld von 10.000 US-Dollar zu teilen und zwei herausragende Bibliographen mit ihren Werken auszuzeichnen: John Payne Collier: Scholarship and Forgery in the 19th Century von Arthur und Janet Freeman, veröffentlicht in der Yale University Press, und A Bibliography of 17th Century Numismatic Books von Christian Dekesel, erschienen bei Spink in London.
Beides sind monumentale Werke: Arthur und Janet Freeman haben in der über 1500 Seiten umfassenden Bio-Bibliographie nicht nur das Leben und Wirken des einflussreichen und berühmten Gelehrten Collier dargestellt, sondern gleichzeitig ein Verzeichnis all seiner Bücher – und Fälschungen – vorgelegt. Auch Dekesels Bibliographie über die Numismatik des 17. Jahrhunderts ist ein intellektuelles Schwergewicht. In über 300 Bibliotheken und Sammlungen hat Dekesel nach numismatischen Schriften dieses Zeitraums gesucht und gleich alle auffindbaren Exemplare jeder Schrift mitverzeichnet, ausführlich beschrieben und mit einer Abbildung des Titelblatts versehen. Dekesel schließt damit an seine Bibliographie über die Numismatik des 16. Jahrhunderts an, eine Übersicht über das 18. Jahrhundert soll die Bibliotheca Nummaria komplettieren.
Die Sonderpreise der ILAB gingen nach Deutschland und Belgien: Bernhard Fischer ist mit Der Verleger Johann Friedrich Cotta. Chronologische Verlagsbibliographie 1787-1832 (erschienen bei Saur in München) ein Standardwerk gelungen, das die Blüte der klassischen deutschen Literatur samt ihrer berühmtesten Vertreter Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller erhellt. David Griffith bietet in seiner Bibliography of the Book of Common Prayer (verlegt von der British Library und Oak Knoll Books) eine 450-jährige Verlagsgeschichte mit über 5000 verschiedenen Ausgaben einschließlich 1200 Übersetzungen des Book of Common Prayer von 1549 bis in die Gegenwart.
Die ILAB sei stolz, so schlossen die Laudatoren, den 14. Preis an Gelehrte zu vergeben, die das Unmögliche nahezu möglich gemacht hätten und dem Ideal des „definitiven“ Nachschlagewerkes jeweils sehr nahe gekommen seien. Zwei amerikanische Autoren, ein belgischer, ein deutscher, ein britischer Buchwissenschaftler wurden mit dem 14. ILAB Bibliographie-Preis ausgezeichnet – und mit ihnen vier Bibliographien, die einen Stammplatz in den Regalen der Handbibliotheken verdient haben.
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