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Etwas vom Autographensammeln

In the 30s Karl Geigy-Hagenbach possessed the most important private autograph collection comprising handwritten letters and documents by Savonarola, Richard III., Galilei, Descartes, Daniel Defoe, Dostojevskij, Händel, Bach, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Rembrandt and Albrecht Dürer. Today two thirds of the collection are archived in the University of Basle. The rest had been auctioned by J. A. Stargardt (Marburg, now Berlin) and Erasmushaus (Basel) on June 30th and 31st, 1961.

Published on 21 Feb. 2018

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Karl Geigy-Hagenbach (who later owned Geigy Industries, now Ciba Geigy) was a close friend to Stefan Zweig, and, like his friend, he was a famous collector of autographs. Born 1865 in Switzerland, Geigy-Hagenbach started collecting in his early years.

Rarities from all fields of interest: history, science, literature, music and art. In the 30s Karl Geigy-Hagenbach possessed the most important private autograph collection comprising handwritten letters and documents by Savonarola, Richard III., Galilei, Descartes, Daniel Defoe, Dostojevskij, Händel, Bach, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Rembrandt and Albrecht Dürer.

Today two thirds of the collection are archived in the University of Basle. The rest had been auctioned by J. A. Stargardt (Marburg, now Berlin) and Erasmushaus (Basel) on June 30th and 31st, 1961. Karl Geigy-Hagenbach himself documented his legendary collection in 1929 in a catalogue “Autographensammlung von Karl Geigy-Hagenbach in Basel” (addenda 1933 and 1939). For J. A. Stargardt’s “Der Autographen-Sammler” he wrote a series of articles about his passion from 1936 to 1938.


Karl Geigy-Hagenbach


Der Außenstehende könnte zunächst annehmen, dass die berühmtesten Namen die höchsten Preise erzielen. Das ist aber keineswegs der Fall; die Seltenheit eines Namens ist in erster Linie maßgebend. Goethe und Schiller werden nicht am höchsten bezahlt, ältere deutsche Schriftsteller wie Seb. Brant, Logau, Rollenhagen, Simon Dach, Lessing erzielen weit höhere Preise. Schiller ist meist teurer als Goethe, weil ersterer kein so hohes Alter erreichte, gewöhnlich längere Briefe schrieb und sich den Luxus nicht leisten konnte, einen Privatsekretär zu besolden. In England und Amerika sind die Unterschiede noch größer. In Amerika werden Unsummen bezahlt für die Unterzeichner der Unabhängigkeitsakte, die in Europa kein Mensch kennt, - Preise, die weit über den großen Washington hinausgehen. E. A. Poe erzielt Riesensummen, die von den berühmtesten europäischen Namen nicht übertroffen werden. Keats, Fielding, Oliver Goldsmith in England gehen mehrfach über Byron, Dickens und Walter Scott hinaus, und doch sind jene Namen diesseits des Kanals nur noch den Wenigsten bekannt, Goldsmith höchstens, weil er in Zusammenhang mit der Sesenheimer Idylle steht. Auf dem Kontinent wird man für diese Namen den Geldbeutel kaum zu sehr öffnen, sondern die vorhandenen Mittel für Interessanteres sparen. Auch große Sammler werden nicht in Trübsinn verfallen, wenn diese Namen fehlen. Zwei der allergrößsten Namen nehmen einen Platz für sich ein: Shakespeare und Molière. Es ist ein Rätsel, warum gerade diese beiden großen Schauspieler-Dramatiker fehlen, während von ihren Zeitgenossen, namentlich von Fürsten, Feldherren, Staatsmännern und auch von Schriftstellern reichliches Material vorhanden ist. Wir würden einen Wald von Louis XIV-Briefen geben für eine einzige Unterschrift von Molière.

Was nun das Sammeln von modernen Stücken anbetrifft, so ist Vorsicht geboten. Bei älteren Namen, die schon die Feuertaufe der Unsterblichkeit durchgemacht haben, ist die Auswahl verhältnismäßig leicht. Man braucht nur diejenigen Briefe zu wählen, die auch inhaltlich interessant sind. Man wird bei diesen Stücken kaum eine Enttäuschung erleben, da sie meist im Preise steigen. Die modernen Namen sind leider vielfach der Mode unterworfen, und Namen, die vor 20/30 Jahren einen guten Klang hatten und ziemlich hoch bezahlt wurden, sind heute zu höchst bescheidenen Preisen erhältlich. Alte Sammler werden mit einer gewissen Wehmut neue Kataloge durchgehen, in denen Konvolute von 400 Stück von früher sehr begehrten Dichtern mit 100.- M., also 25 Pfg. je Stück bewertet werden. Von großem Interesse und sehr lehrreich ist es, alte Auktionskataloge der berühmten Sammlungen Bovet, Paar, Meyer Cohn, Morisson durchzugehen und die damaligen Preise mit den heutigen zu vergleichen. Man wird erstaunt sein zu sehen, wie viele erste Namen unterwertet oder zu hoch bezahlt wurden, während andere zum Teil heute gar nicht mehr gesammelt werden. Aber nicht alle modernen Namen sind Schwankungen ausgesetzt: Nobel, Hertz, Ohm, Edison, Röntgen, Pasteur, Zeppelin, Amundsen, Stanley u. a. m. sind jetzt schon sehr gesucht, z. T. unauffindbar und werden es auch in späteren Zeiten sein, weil diese Persönlichkeiten in ihren Gebieten bahnbrechend waren. Mit der Zeit muss der Sammler zu einem gewissen Feingefühl gelangen, um das Vergängliche vom Unvergänglichen zu trennen.

Um Autographen von Tagesgrößen wird der ernste Sammler einen großen Bogen machen. Albums mit solchen Eintragungen werden höchstens in Kaffeekränzchen von Damen unter 20 Jahren mit Stolz herumgezeigt.

Das Grundprinzip für den Sammler ist aber, das zu sammeln, was ihn am meisten interessiert, und das wird ihm auch am meisten Freude machen.

Karl Geigy-Hagenbach, Etwas vom Autographensammeln. In: Der Autographen-Sammler. Eine monatlich erscheinende Katalogfolge des Hauses J. A. Stargardt, Berlin. Jg. I, Nr. 12, Mai 1937.

The article was originally published by J. A. Stargardt (Berlin). It is now presented online on www.autographs.de, and on ILAB.org by permission of Eberhard Köstler (Köstler Autographs) and Wolfgang Mecklenburg (J. A. Stargardt).

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