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Antiquarian Booksellers in Exile – Susan Bach (1909-1997)

Susan Bach was only twelve years old when she started book collecting. Born in Munich in 1909 into a family of printers and painters, she studied Romance languages and literature in Munich, where Karl Vossler was her teacher. After graduating in the year 1932, she was not allowed to work as a research assistant at the institute of the Thesaurus Linguae Latinae because of her Jewish origin. She emigrated to France where she completed an apprenticeship at Librairie Droz. In 1938 she became a private teacher in Charente, worked as a translator, a private assistant of Rarnon Menendez Pidal and for the antiquarian bookseller Julius Hess.

After the Nazi occupation in 1940 Susan Bach was first kept in Gurs, then fled to Marseille, where she worked for a Jewish refugee aid organization. With the help of Dana Becher, wife of the author Ulrich Becher, she fled over Spain to Lisbon and further to Brazil in 1941, where, only four months later, her daughter Katharina was born. From 1946 to 1948 Susan Bach lived again in France working for H.P. Kraus and Albatross Publishers (Kurt Enoch). Then she returned to Brazil, married the Hungarian emigrant Jean Bach and established her own company in Rio de Janeiro.

For twenty years SUSAN BACH COMERCIO DE LIVROS sold new and antiquarian books from Brazil and Latin America to Europe and North America. Among her main customers were all libraries of the United States, the British Library in London, the Bibliothèque Nationale de France in Paris and the Bavarian State Library in Munich. She published antiquarian book catalogues and also lists with new editions of South American literature.

Since the early 1970s Susan Bach specialized on German exile literature and published a series of catalogues and bulletins, while she was also working as a translator and as an author of many articles on German emigrants in South America. One of her main research interests was the life and work of Stefan Zweig whose farewell letter she bought and donated to the German Literary Archive in Marbach.

Susan Bach was member and for a long time president of the Associação Brasileira de Liveiros Antiquarios , an ILAB member association. In 1983 she returned to Germany leaving her company to her partner Patrick Levy. She died in Munich in the year 1997.

A more detailed account of Susan Bach’s impressive life and career is documented in Ernst Fischer’s biographical handbook "Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933":

Bach, Susan(ne) 29. 1. 1909 München - 10. 2. 1997 München; Buchhändlerin, Antiquarin; Dr. phil.


Susanne Bach war Tochter von Felix Eisenberg, des Leiters einer Kunstkupferdruckerei, die u. a. Aufträge von Künstlern ausführte, und Erna geb. Gutherz, die bei Lovis Corinth Malerei studiert hatte. Schon als 12-jährige begann sie Bücher zu sammeln.

Nach dem Studium der Romanistik in München, das Bach 1932 mit einer Promotion bei Karl Vossler abschloss, hatte sie erkannt, welche Gefahr die >Machtergreifung< des Nationalsozialismus für sie als Jüdin bedeutete:

Nachdem ihre Bewerbung zur Mitarbeit am Thesaurus Linguae Latinae von antisemitischen Direktoren des Institutes abgelehnt wurde, ging sie 1933 nach Frankreich. In Paris absolvierte sie eine Buchhandelslehre in der international renommierten LIBRAIRIE DROZ, einer romanistischen Fachbuchhandlung mit Antiquariat, in der sie bis zu ihrer Kündigung 1937 arbeitete; außerdem engagierte sie sich im Komitee für die Hilfe für jüdische Intellektuelle aus Deutschland des Grafen Remusat. 1938 arbeitete Susanne Bach als Hauslehrerin in der Charente, und brachte sich in der Zeit danach mit Gelegenheitsarbeiten als Übersetzerin, Sprachlehrerin, als Privatassistentin des spanischen Gelehrten Rarnon Menendez Pidal und mit Hilfstätigkeiten für den Antiquar Julius Hess durch.

Nach dem Uberfall der deutschen Truppen auf Frankreich 1940 wurde Susanne Bach zunächst im Lager Gurs kaserniert; nach der Freilassung durch die Franzosen konnte sie in den unbesetzten Teil des Landes, zunächst nach Vichy, flüchten, und von dort nach Marseille, wo sie eine Anstellung in einer israelitischen Flüchtlingsorganisation fand und sich um ein Übersee-Ausreisevisum bemühte. Mit Hilfe von Dana Becher, der Ehefrau des Schriftstellers Ulrich Becher, fand sie Anschluss an eine Auswanderergruppe, die 1941 den Fluchtweg über Spanien nach Lissabon und von dort nach Brasilien nahm. Sie kam am 11. Mai in Rio de Janeiro an, brachte dort vier Monate später ihre Tochter Katharina zur Welt und arbeitete zunächst als Sekretärin in einer Buchhandlung, dann als Übersetzerin in einem pharmazeutischen Unternehmen.

1946 ging Bach zurück nach Frankreich; in Paris betätigte sie sich zunächst als Einkäuferin für den Antiquar H. P. Kraus, für den sie Zeitschriftenserien besorgte: >Das erforderte viel Herumstöbern bei kleinen und größeren Antiquaren und Bouquinistes, machte mir aber sehr viel Spaß und ich fand ziemlich viel. Das Geld, um diese Serien zu kaufen, holte ich mir bei einem Korrespondenten von Kraus ab und die Buchhändler besorgten dann den Versand.<

Nachfolgend fand Susanne Bach eine feste Anstellung im ALBATROSS VERLAG (Kurt Enoch). 1948 ging sie nach Brasilien zurück, arbeitete in der Importabteilung einer großen Buchhandlung, heiratete 1952 den ungarischen Emigranten Jean Bach und gründete 1954 in Rio de Janeiro, zunächst von ihrem Wohnzimmer aus, die erste brasilianische Buchexportfirma mit angeschlossenem Versandantiquariat.

Zwanzig Jahre lang lieferte die SUSAN BACH COMERCIO DE LIVROS von ihrem Firmensitz und Lager in der Cosme Velho die Buchproduktion Brasiliens, später ganz Lateinamerikas, nach Europa und Nordamerika. Die Hauptabnehmer waren Bibliotheken in den USA, die British Library in London, die Bibliotheque Nationale in Paris und die Bayerische Staatsbibliothek in München. Neben ihren Antiquariatskatalogen zu lateinamerikanischer Völkerkunde, Literatur etc. gab sie auch regelmäßig Bulletins zu Neuerscheinungen südamerikanischer Literatur heraus.
 
Seit Anfang der 1970er Jahre spezialisierte sich Bach, die nebenher auch als Übersetzerin tätig war, als Antiquarin auf deutsche Exilliteratur ; ihr erster einschlägiger Katalog erschien 1972; ihm folgten später noch mehrere Kataloge und rund 50 information letters. Enge Geschäftskontakte pflegte Susanne Bach auf diesem Gebiet zu Werner Berthold, Gründer der Exilabteilung der Deutschen Bibliothek in Frankfurt I Main, und zu ihrem Kollegen Walter Zadek. Bach verfasste auch Beiträge zu den in Südamerika erschienenen Werken deutscher Exilschriftsteller, insb. von Stefan Zweig, dessen Autograph seines Abschiedsbriefs sie erwarb (heute im Deutschen Literaturarchiv, Marbach).

Susanne Bach war Mitglied und zeitweise Präsidentin der brasilianischen Sektion der International League of Antiquarian Booksellers (ILAB). Ab 1978 firmierte Bachs Geschäftsbetrieb an neuer Adresse in Rio de Janeiros Stadtteil Botafogo.

1983 kehrte Susanne Bach aus Altersgründen nach Deutschland zurück, ihr Unternehmen in Rio wurde bzw. wird von ihrem Geschäftspartner Patrick Levy weitergeführt (Levy war 1990-94, als Nachfolger von Walter Geyerhahn, Vorsitzender der brasilianischen Antiquarsvereinigung ABLA).

Literature


SUSANNE BACH: A Ia recherché d'un monde perdu. Rio de Janeiro: Centro das edicöes frand!sas 1944 [Autobiographie]; DIES .: Im Schatten von Notre-Dame. London: The World of Bocks Ltd. (und Worms: Georg Heintz) 1986; DIES.: Karussell. Von München nach München. Eingel. von ROSALIND ARNDT-SCHUG und ROSANNA VITALE (Frauen in der Einen Weit. Sonderbd. 2). Nürnberg 1991; DIES .: Deutsche Exil-Literatur in Südamerika. ln : AdA Nr.12 (1972) S. 437-39; DIES.: Der Schriftsteller Paul Zech im Exil in Südamerika. ln : AdA Nr.4 (1979) S.A 148f.; DIES.: Ergänzungen zur Bio-Bibliographie der deutschen Exilliteratur. in: Bbl. (FfM) Nr. 96 vom 30. 11. 1979 S. A 411-13; DIES.: French and German Writers in Exile in Brazil: Reception and Translations. ln: Latin America and the Literature of Exile (1983) pp. 293-307; DIES.: Holland als Ver lagsland deutscher Literatur des Exils. ln: AdA Nr. 5 ( 1991) S. A 184-86. Gespräch B. mit EF am 2. 5. 1991 in München; Deutsches Exilarchiv I DNB: Splitternachlass EB 91 - 292 [Manuskript ihrer Memoiren, Korrespondenz, Lebensdokumente]; BHE 2; TAUBERT: Lateinamerika (1961) S. 163; Antiquarin Susan Bach. ln: Aufbau vom 7.3.1975; HILTRUD HÄNTZSCHEL: Susanne Bach gestorben. ln : Neuer Nachrichtenbrief der Gesellschaft für Exilforschung e. V., Nr. 9 (Juni 1997) S. 9; KRISTINE VON SODEN: Exil-Literatur aus Lateinamerika. Lebensstationen der Autorin Susanne Bach und ihrer berühmten Buchhandlung am Blauen Berg in Rio. ln: Frankfurter Jüdische Nachrichten , Sept. 1999; Associaiäo Brasileirade Liveiros Antiquarios, Homepage [online].

(pictures: Susan Bach Ltda., Rio de Janeiro)

Ernst Fischer: Verleger, Buchhändler und Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933. Ein biographisches Handbuch.


With an essay and 20 photographs. Book design: Ralf de Jong. Elbingen, Verband Deutscher Antiquare, 2011. 431 pp., Cloth.

The International League of Antiquarian Booksellers is proud to publish some of the most impressive stories told in Ernst Fischer’s biographical handbook. For more information please visit the website of the German Antiquarian Booksellers' Association (VDA)

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